Im legendären Tagungshotel Schindlerhof in Nürnberg fanden am 11. Und 12. Juni die degefest-Fachtage 2010 statt. Das Thema "Kreativ in die Zukunft" sollte Wege für ein optimistisches Marketing in schwieriger Marktlage zeigen. Jörn Raith, Vorsitzender des Verbandes, berichtete von einem Aufwind bei den Mitgliederzahlen. Er sieht darin eine Bestätigung dafür, dass der Verband mit seiner klaren Ausrichtung auf Marktforschung und Marketing, Wissensaustausch in Netzwerken und Beratung den richtigen Weg geht.
Klaus Kobjoll, Inhaber des Schindlerhof, beschrieb launig und überzeugend seine Arbeits- und Unternehmensphilosophie und machte viele Teilnehmer der degefest-Fachtage nachdenklich. Begeisterung ist die Basis für Erfolg, sagte er. Wer seine Arbeit mit Emotion und Überzeugung macht, der braucht keine zusätzlichen Endorphin-Auslöser. Dazu gehört auch die Wertschätzung und die Motivation der Mitarbeiter und die Förderung ihrer persönlichen Individualität, denn gerade im Beherbergungsgewerbe ist das Team ein entscheidender Faktor. Auch die Kunden sollten begeistert werden und nicht nur zufrieden sein, denn zufriedene Kunden kommen vielleicht wiede. begeisterte Kunden aber empfehlen weiter.
Klaus Kitzki, Geschäftsführer von Kitzki und Partner, stellte die Frage, was das limbische System mit Verkauf zu tun hat. Auch er sagt, zufrieden sein allein reicht nicht. Ziel müsse sein, die Kunden zu Botschaftern zu machen. Dazu ist Interesse und Aufmerksamkeit nötig, und die erreicht man nicht mit dem Versenden von Prospekten. Schlüssel dazu ist ein funktionierendes Beziehungsmanagement. Und hier kommt das limbische System ins Spiel. 70-80% der Reaktionen eines Menschen auf Außenreize erfolgen im Unterbewusstsein. Überzogene technokratische Argumentation führt in vielen Fällen zum Abbruch der Aufmerksamkeit. Man muss wissen, welche Gehirnbereiche aktiviert werden, wenn Kaufentscheidungen getroffen werden. Kitzki gliedert sie in drei Gruppen: Abenteuer/Thrill, Fantasie/Genuss, Disziplin/Ordnung/Kontrolle. Es ist wichtig, die Kunden individuell genau in der richtigen Gruppe zu erreichen, sonst erlahmt sehr rasch das Interesse.
Stefan Luppold, Professor an der Karlshochschule International University in Karlsruhe und an der Shanghai Second Polytechnic University, gab unter dem Thema Veranstaltungs-Controlling einen Überblick über Verfahren zur Diagnose und Evaluation von Events. Anhand von Beispielen zeigte er auf, wie die Effizienz von Veranstaltungen optimiert und damit ein Beitrag zur Begeisterung von Veranstaltungsteilnehmern geleistet werden kann.
Martin Näwig, selbstständiger Marketing-Berater, mahnte die Betreiber und Marketingverantwortlichen von Veranstaltungsstätten, für ihre Häuser klare Profile mit Alleinstellungsmerkmalen (USP) zu entwickeln. Anhand konkreter Beispiele zeigte er, wie Kunden bei der Suche nach einer geeigneten Veranstaltungsstätte denken und vorgehen und wie die Kunden mithilfe eines klaren USP gewonnen werden können. Er ergänzte seine Darstellung mit praktischen Hinweisen und Handlungsempfehlungen, wie man die Faktoren herausfindet, die ein eigenständiges Profil prägen und gegenüber den Kunden kommuniziert werden können.
Dipl. Oec. Bruno Friedel, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens CAD-Architektur, nahm sich des Themas Visualisierung geplanter Veranstaltungen an. Viel zu statisch seien die Planungsunterlagen häufig. Neue Software-Lösungen ermöglichen es, aktive Vorerlebnisse anzubieten, die nicht nur Pläne und Checklisten enthalten, sondern auch interaktive Abläufe sichtbar machen.
Sven Mölleken, geschäftsführender Gesellschafter der Four Visions GmbH, beklagte, dass bei Veranstaltungen Abläufe, Technik, Catering usw. meist präzise von Spezialisten geplant werden, die Präsentationen hingegen oft laienhaft vorbereitet und ausgeführt werden. Er kritisierte, dass oft die Charts zu voll und die Schriften zu klein sind, dass gerne Gestaltungsspielereien eingesetzt werden, die vom Inhalt ablenken. Er plädiert für behutsame, aber auf bessere Wahrnehmung zielende Farbverläufe. Und er stellte neue Software vor, die 3D-Effekte und das Einspielen von Videos ermöglicht. Als besonders für Messe-Auftritte geeignet sieht er die Möglichkeit, die projizierten Bilder durch Handbewegungen zu steuern. Und er zeigte, dass das gute alte Flipchart eine Renaissance erleben kann durch die Projektion des auf das Flipchart Geschriebenen auf eine Leinwand.
Andreas Kienast, Coach und Berater, griff den gegenwärtig in vielen Branchen zum Modewort gewordenen Begriff Kreativität auf. Er sieht dies positiv, denn Kreativität sei eine wichtige Basis für wirtschaftlichen Erfolg. Doch dazu ist eine umfassende Kenntnis der Werkzeuge zur Förderung und Entwicklung der Kreativität erforderlich. Denn es geht nicht nur um Kreativität im Management, sondern auch bei den Mitarbeitern. Und es gibt viele Hindernisse auf dem Weg zu mehr Kreativität - vom Festhalten an gewohnten Abläufen und Verhaltensweisen bis zur Furcht vor den Risiken, die mit Neuerungen verbunden sein können.
Zum Abschluss der degefest-Fachtage präsentierten Prof. Dr. Jerzy Jaworski von der Hochschule Heilbronn und seine Studenten Thurid Closs und Tim Fritzenschaft die neueste Studie im Rahmen der degefest-TrendAnalyse, die sich mit dem aktuellen Stand und den Zukunftsaussichten von Weiterbildungsstätten beschäftigte. Danach sind 46% der Häuser privatwirtschaftlich organisiert und beschäftigen sich zu 61% mit beruflicher Weiterbildung. Nur 35% der befragten Häuser mussten im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen hinnehmen. Deshalb wurde insbesondere bei Personal, im Marketing und in der Technik gespart, obwohl den Betreibern klar ist, dass gerade in diesen Bereichen eher mehr ausgegeben werden sollte. Die Zukunftsaussichten der Weiterbildungsstätten werden von 39% positiv eingeschätzt, 11% erwarten eher einen Rückgang der Geschäfte und 50% sehen keine Veränderungen.
Neues Logo
Kreativität lag auch dem neuen Logo der degefest zugrunde. Moderner ist es geworden. Die Attribute klar, verbindend und zukunftsorientiert finden sich darin wieder. Ich denke wir haben hier ein klares und modernes Logo geschaffen, das unseren Verband in den nächsten Jahren gut nach außen präsentieren wird, erklärt York van Marwyck, Vorstandsmitglied und Entwickler des neuen Markenzeichens die Intention und führt fort Wir werden in den nächsten Wochen beginnen, sukzessive alle Werbemittel anzupassen.